40 Milliarden Dollar Schulden – und trotzdem hat jahrelang niemand bemerkt, wie es um XYZ stand. Dabei machte die Firma alle Zahlen öffentlich. Nur hat sie niemand gelesen. Oder verstanden. Und wer ist daran schuld?
Montag, 15. Dezember 2008
Nichts ist spannender als die Wirtschaft
Dienstag, 2. Dezember 2008
Shiller in London
Dienstag, 18. November 2008
Kapitalismuskritik mal anders
Donnerstag, 13. November 2008
Theorie und Praxis
Scholes gehörte in den neunziger Jahren zu den Gründern des Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM), der jahrelang spektakuläre Erfolge feierte – bis das Geschäftsmodell in der Russlandkrise 1998 zusammenbrach. 4 Milliarden Dollar standen damals auf dem Spiel, es gab Krisensitzungen an der Wall Street und Angst vor einem weltweiten Zusammenbruch des Finanzsystems.
Nun hat es Scholes’ neuen Hedgefonds Platinum Grove Asset Management erwischt. In der ersten Oktoberhälfte verlor der Fonds fast ein Drittel seines Wertes; was an Mitteln noch übrig blieb, wurde inzwischen eingefroren. Diesmal stehen rund 5 Milliarden Dollar auf dem Spiel –und niemand nimmt davon Notiz.
Die Nachricht über das Aus für Platinum Grove stammt vom vergangenen Freitag, spricht sich aber erst langsam herum. Spiegel Online beispielsweise hat bislang mit keinem einzigen Wort berichtet. Es müssen wirklich harte Zeiten sein, wenn ein Hedgefonds-Crash von 5 Milliarden Dollar schon niemanden mehr schockiert.
Freitag, 31. Oktober 2008
Von Lachsbrötchen, Mathematik und Kreuzzügen
Von wegen. Jedenfalls, wenn „später“ das Graduiertenstudium in Yale ist. Beim Lernen für die Statistik-Klausur am Montag wird klar: Man muss das alles wissen. Und noch viel mehr. Tatsächlich wird VWL an den führenden Graduiertenschulen in Amerika als angewandte Mathematik gelehrt – was nicht nur für Begeisterung sorgt. Vor allem im Moment, da all die schönen, komplizierten Modelle so überhaupt nicht in der Lage zu sein scheinen, die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zu erklären. Eine Generalkritik von Arnold Kling:
Die Ökonomen haben sich in den vergangenen 30 Jahren darauf konzentriert, statistische Pornopgraphie zu produzieren, mit der junge Männer ihre Sucht nach mathematischer Selbstbefriedigung stillen können.Meine Hauptkritik an den Ökonomen ist, dass ihre Standard-Modelle so schlecht erklären, was gerade passiert. Die Modelle aus den Lehrbüchern sind quasi nutzlos.
Makroökonomik, wie sie an den Graduiertenschulen gelehrt wird, ist noch schlimmer. Sind endlich die Kurse abgeschafft worden, in denen angenommen wird, dass rationale Agenten Euler-Gleichungen lösen können? Sind die Professoren gefeuert worden, die solche Kurse unterrichtet haben? Warum nicht?
Das ist zweifellos vollkommen überzogen. Auf der anderen Seite schrieb schon Fontane im Stechlin:
Wer ängstlich abwägt, sagt gar nichts. Nur die scharfe Zeichnung, die schon die Karikatur streift, macht eine Wirkung. Glauben Sie, dass Peter von Amiens den ersten Kreuzzug zusammengetrommelt hätte, wenn er so etwa beim Erdbeerpflücken einem Freunde mitgeteilt hätte, das Grab Christi sei vernachlässigt, und es müsse für ein Gitter gesorgt werden?!
Montag, 27. Oktober 2008
Schau besser zweimal hin
Auf den zweiten Blick:
- Allianz und Hypo Real Estate minus 14 Prozent
- Deutsche Bank minus 15 Prozent
- Commerzbank minus 17 Prozent
- Postbank minus 24 Prozent
Freitag, 24. Oktober 2008
Ein kleinlauter Maestro
Es scheint mir, dass – wenn man zurückgeht und sich selbst fragt, wie vor einigen Jahren irgendjemand realistisch hätte abschätzen können, was schließlich mit den Subprime-Krediten passieren würde – ich denke, damit verlangt man mehr, als irgendjemand beurteilen kann. Und wir haben diese außergewöhnlich komplexe Weltwirtschaft, die – wie nun jeder erkennt – sehr schwierig in einiger Genauigkeit vorherzusagen ist.
Menschen in vielen Teilen der Welt sind übertrieben optimistisch, dass sich der Aktienmarkt und (vielerorts) der Immobilienmarkt extrem gut entwickeln. Diese überzogene Zuversicht kann zu Instabilität führen. Weitere signifikante Kursanstiege in diesen Bereichen können letztlich zu noch heftigeren Kursverlusten führen. Das schlimme Ergebnis kann sein, dass diese Verluste einen substantiellen Anstieg der Privatinsolvenzen auslösen, der wiederum eine zweite Insolvenzwelle, nämlich unter Finanzinstitutionen, nach sich zieht.
Rote Zahlen

Mittwoch, 22. Oktober 2008
Geistige Goldstückchen
Starbucks = Finanzkrise

Eine hohe Starbucks-Präsenz ist ein ziemlich signifikanter Indikator für das Maß der Verbundenheit mit dem aufgedrehten, koffeingetriebenen Kapitalismus, der uns dieses Schlamassel eingebracht hat.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Erleichterung (ein bisschen zumindest)
Denn im Kern dieser Krise geht es um den Kreditfluss, also die Bereitschaft der Banken, sich untereinander Geld auszuleihen und Kredite an ihre Kunden zu vergeben. Die Aktienkurse spiegeln nur die Reaktion der Investoren auf die Veränderungen im Kreditmarkt.
Und wie geht es dem Kreditmarkt? Noch nicht gut, aber es war schon mal schlechter. Eine zuverlässige Kennzahl für das Misstrauen der Banken untereinander ist der TED-Spread. Er gibt an, welchen Zinsaufschlag die Banken im Vergleich zur US-Regierung zahlen müssen, um an Kredite zu kommen (Hintergrund aus dem Blog-Archiv). Vor rund zwei Wochen lag der Spread noch über 4 Prozent; heute sind es nur noch 2,6 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im September.
Ein guter Zeitpunkt, um wieder Bankaktien zu kaufen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Im Englischen gibt es die Redewendung picking up nickels in front of a steamroller. Und diese Gefahr besteht weiterhin: dass man von einer Dampfwalze überrollt wird, während man ein paar Centstücke von der Straße aufheben will.
Montag, 20. Oktober 2008
Ein angeschossenes Raubtier
In einer lesenswerten Kritik der Neoliberalen („Die Neunmalklugen“) zieht Susanne Gaschke in der Zeit vom Leder:
Von ihrer Unübersichtlichkeit her ist die gegenwärtige Situation, ist das großartige Scheitern aller neoliberalen Verheißung über die Weisheit der Märkte und die Überflüssigkeit des Staates, mit dem Untergang des Sozialismus verglichen worden. Im Gegensatz zu 1989 fällt allerdings ein Unterschied auf: Damals kam es schnell zu breiten Aufarbeitungsdebatten [...] Diese selbstkritische Betrachtung der eigenen Rolle, dieses kleine bisschen Scham ist in der aktuellen Krise aufseiten der ökonomischen Elite bisher nicht zu entdecken: wahrscheinlich, weil sich ihre Mitglieder tatsächlich nicht als Anhänger einer Weltanschauung unter mehreren, sondern als Inhaber einer unbestreitbaren Wahrheit betrachtet haben.Selbst der kreuzliberale Economist titelt inzwischen „Kapitalismus im Rückzug“ und illustriert die Schlagzeile mit dem Bild eines von Pfeilen durchbohrten Raubtiers.
Noch am 18. August schrieb Roland Tichy, Chefredakteur der Wirtschaftswoche: »Gerade in diesen Monaten zeigt sich, dass der Steuerstaat bis über die Perversionsgrenze geht: Brutalstmöglich werden jetzt auch kleine Einkommen ausgebeutet … Jeder Entlastung steht die Staatsgier entgegen. So will die SPD sogar die Absenkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung verhindern, um mit dem Geld der Beitragszahler Sozialklimbim zu finanzieren …«. Acht Wochen später setzte die Bundesregierung das den Steuerbürgern abgepresste Geld für den größten Sozialklimbim aller Zeiten ein: für die Rettung der Hypo Real Estate.
Sabine Christiansen ließ Woche um Woche aus ihrer Berliner Sendekugel den Untergang des Standorts verkünden: »Konjunktur-Angst – Aufschwung ade?«, »Sind wir ein Volk von Sozialschmarotzern?« oder »Macht dieses Steuersystem Deutschland kaputt?«. All diese Äußerungen, Sendungen, Veranstaltungen sind zurechenbar. Sie schufen einen Wahrnehmungsnebel, in dem das Land hochgefährdet, Parteien und Demokratie unfähig – und gefährlich – erschienen. Jetzt will es keiner gewesen sein, aber damals wussten alle genau, um was es ging: Effizienz. Rendite. Ökonomisierung aller Lebensbereiche.

Der Leitartikel versucht mit dem Mut der Verzweiflung, einen optimistischeren Ton anzuschlagen:
Alle Zeichen zeigen in eine Richtung: eine stärkere Rolle für den Staat und eine schwächere für den Privatsektor. Wir hoffen, dass dies nicht passieren wird. In den vergangenen 150 Jahren hat sich der Kapitalismus für Milliarden Menschen ausgezahlt. Die Teile der Welt, in denen der Kapitalismus blühte, haben Wachstum erlebt; die Regionen, in denen er verwelkte, haben gelitten. Der Kapitalismus hat immer schon Krisen durchlebt und wird das auch in Zukunft tun. Die Welt sollte die jüngste Krise – so verheerend sie auch ist – als Lehrstück nutzen, wie man besser mit Krisen umgehen kann.
Falls die Bail-outs gut umgesetzt werden, könnten die Steuerzahler am Ende sogar von der ungeliebten Hilfe für die Banken profitieren. Falls die Aufsichtsbehörden von der Krise lernen, können sie in Zukunft die Finanzmärkte besser regulieren. Der Kapitalismus ist auf dem Rückzug, aber alle, die an ihn glauben, müssen für ihn kämpfen. Bei allen Mängeln – der Kapitalismus ist das beste Wirtschaftssystem, das der Mensch bislang erfunden hat.
Amen.
Mittwoch, 15. Oktober 2008
Paketfahndung
Der Absturz der Post von Chicago begann, ehe die Öffentlichkeit die Vorzeichen bemerkte: bevor sich die unzustellbaren Briefe in jeder Ecke der Stadt stapelten, um das schuldige Management heimzusuchen – hundert Säcke monatealter Briefe im Laderaum eines Postlasters im Norden der Stadt, hundert Kilo neuer Briefe verbrannt unter einer Brücke im Süden Chicagos, mehr als 1500 Poststücke verrottend in einer flachen Kuhle unter einer Veranda im Westen der Stadt und eine Lastwagenladung Briefe und Pakete in der Toilette eines Briefträgers in einer Vorstadt.Wer will sich da noch über die Zustände in New Haven beschweren?
Dienstag, 14. Oktober 2008
Rezession – da war doch was
Montag, 13. Oktober 2008
Gute Nachrichten
Nachtgedanken
Der Bewohner Londons konnte, während er im Bett seinen Morgentee trank, über das Telefon die verschiedensten Produkte aus der ganzen Welt in beliebiger Menge bestellen und ihre baldige Lieferung erwarten. Er konnte zur gleichen Zeit und auf gleichem Wege seinen Wohlstand mehren mit Investitionen in Rohstoffe und neue Unternehmen in jeder Gegend der Welt.
Samstag, 11. Oktober 2008
Geiz ist geil
Bitte, liebe Leser, hört auf, euch wie eine wild gewordene Rinderherde zu benehmen. Eure Furcht ist ansteckend und treibt die amerikanische Volkswirtschaft an den Rand des Abgrunds. Beruhigt euch einfach und hört auf, eure Aktien zu verkaufen. Sobald sich die Börse wieder beruhigt, werdet ihr merken, dass eigentlich alles in Ordnung ist.Netter Versuch. Aber ob man mit wohlmeinenden Ratschlägen eine Vertrauenskrise stoppen kann? George W. Bush versucht das ja seit mehreren Wochen – mit durchwachsenem Erfolg. Freundlich gesagt.
Um nicht immer nur New York Times und Wall Street Journal zu zitieren: Die Bild bringt heute die aufschlussreiche Selbstgeißelung eines deutschen Durchschnittsbankers.
Ich bin 30 Jahre alt, Bank-Berater (Jahresverdienst: 55 000 Euro) und fühle mich seit der Pleite von Lehman als Schwerverbrecher.Allein: Dass Zertifikate bei einer Pleite des Emittenten nicht geschützt sind, steht in jeder Finanztest-Ausgabe, in jedem Anleger-Handbuch, auf tausend Internetseiten. Aber offensichtlich begegnet der deutsche Durchschnittsanleger seinem Bankberater noch immer mit tiefstem Vertrauen. Dabei sollte sich langsam herumgesprochen haben, dass Banker keine Berater, sondern Verkäufer sind, die ihre eigene Rendite maximieren wollen. Daran ist auch gar nichts Schlimmes – wenn beide Seiten wissen, welches Spiel gespielt wird.
Bei der XY-Bank habe ich 70 Kunden betreut, denen ich Pleite-Zertifikate im Wert von zwei Millionen Euro verkauft habe. Seit der Finanzkrise kann ich nicht mehr schlafen, Kollegen von mir haben sogar Morddrohungen bekommen ...
Es ist eine unendliche Qual, dazu beigetragen zu haben, Leute zu betrügen. Und ich weiß, dass viele darunter waren, die auf das Geld angewiesen sind.
Man war jeden Tag als Berater mit erdrückend hohen Zielvorgaben konfrontiert und sollte möglichst keine Festgelder anlegen, sondern viel in Fonds oder Zertifikate stecken, damit die Rendite richtig fett wird. Auch den Festgeldkunden wurden diese Papiere deshalb aktiv und aggressiv verkauft.
Die Alternative zur Pseudoberatung bei der Bank – unabhängige Anlageberatung gegen Stundenhonorar – hat bislang keinen Erfolg. Dabei wäre sie oft sinnvoller. Aber Geld ausgeben für etwas, das man andernorts vermeintlich kostenlos abgreifen kann? Das kommt den meisten Deutschen nicht in den Sinn. Dass der Bank-„Berater“ im eigenen Interesse handelt, leider auch nicht. Und am Ende rächt sich dann die „Geiz ist geil“-Mentalität.
Freitag, 10. Oktober 2008
Up and Down
Wie der Princeton-Ökonom Paul Krugman kürzlich schrieb:
Wie lassen sich diese Kurssprünge rational erklären? Wahrscheinlich überhaupt nicht. Eine Studie von Bob Shiller hat schon 1989 gezeigt: In Krisen wird einfach nur deswegen verkauft, weil die Preise fallen. Neue Informationen braucht es gar nicht.Als Wirtschaftswissenschaftler bin ich fasziniert. Als Bürger bin ich zu Tode erschrocken.
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Der Angstindex
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Ein stiller Revolutionär
Praktische Menschen, die sich selbst frei von allen intellektuellen Einflüssen wähnen, sind meistens Sklaven irgendeines Ökonomen.John Maynard Keynes
