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Dienstag, 25. November 2008

Zurück in den Südstaaten

Über die Thanksgiving-Woche zu Besuch bei Verwandten in Georgia. Am Sonntagabend Flug nach Atlanta. Aus der Dunkelheit taucht die Stadt als heller Fleck auf: dicht besiedelte Wohnviertel, Straßen im Schachbrettmuster. Ringsum ein vollkommen anderes Bild: bis zum Horizont Häuser in weitem Abstand, einsame Lichtpunkte im Dunkel, verbunden durch geschwungene Straßen. Wie Fangarme liegen die Vororte um den Kern von Atlanta. Nur rund 500.000 Menschen wohnen in der eigentlichen Stadt, aber mehr als 5 Millionen in der metropolitan area.

Wenige Stunden später für Bob Shillers Vorlesung eine Studie gelesen zur Frage: Warum wächst seit 1995 die Produktivität in den USA schneller als in Europa? Als wichtigen Grund nennt der Autor Robert Gordon die riesigen US-Einkaufsmeilen auf der grünen Wiese mit ihren ausufernden Parkplätzen, auf denen die Autos der Vorort-Bewohner stehen. Der amerikanische Städtebau ermögliche dem Handel die effizienten Riesenformate. Mit Blick auf den Verlust von Urbanität, die langen Wege und den hohen Benzinverbrauch merkt Gordon an, dass der amerikanische Städtebau vielleicht auch negative Nebenwirkungen habe. Vielleicht?

Am Montag zum Mittagessen in der Grundschule meines Patenkindes. Am Eingang muss man den Personalausweis zeigen, wird fotografiert und bekommt einen Besucherausweis. Beim Verlassen der Schule wird der Strichcode auf dem Besucherausweis gescant, ehe man wieder ins Freie kommt. 

Als ich im Frühjahr auf einer Pressekonferenz im Kernkraftwerk Neckarwestheim war, gab es laxere Sicherheitsvorschriften.

Montag, 22. September 2008

Vollbeschäftigung

David liest ein Buch für morgen, ein Buch für Mittwoch und ein Buch für Donnerstag.
Ruta versucht, Hunderte Seiten für Jura zu lesen. Ihr Kopf tut weh.
Aktuelle Facebook-Einträge von Kommilitonen
Amerikanische Unis halten ihre Studenten gerne busy. Für das viele Geld muss schließlich etwas passieren. Ganz besonders in der Ivy League. Zu den endlosen Literaturlisten kommt hier noch ein Umfeld, für das es im Amerikanischen schon ein eigenes Wort gibt: hypercompetitive. 

Ein Dialog aus der VWL-Fakultät vom Vormittag:
Erster deutscher Austauschstudent: Jetzt haben wir den Beweis noch immer nicht verstanden. Weißt du was? Wir sind hier intellektuelles Prekariat.
Zweiter deutscher Austauschstudent: Aber wenigstens auf hohem Niveau.
Gleicher Ort am Nachmittag:
Erster deutscher Austauschstudent: Wie fandest du das Tutorium zu Behavioral Economics?
Dritter deutscher Austauschstudent: Gebracht hat es nicht viel. Aber es war großartig! Ich habe zum ersten Mal Leute getroffen, die hier studieren und nicht schlauer sind als ich.
Kürzlich in der Toilette der Graduiertenschule einen Kommilitonen gesehen, der noch beim Pinkeln das Wall Street Journal gelesen hat.

Mittwoch, 10. September 2008

Der Mann, der Yale narrte

Akash Maharaj war ein genialer Yale-Student. Seine Professoren setzten große Stücke in den jungen Literaturwissenschaftler. Jetzt ist Maharaj ein verurteilter Betrüger. Das Verbrechen: „Ich habe Englisch-Kurse gestohlen“, sagt Maharaj.

Maharaj hätte niemals in Yale sein dürfen. In seiner Bewerbung waren Zeugnisse und Empfehlungsschreiben gefälscht. Nicht einmal das Geburtsdatum war korrekt angegeben. In den Kursen war Maharaj dennoch erfolgreich. Seine akademische Arbeit stellte niemand in Frage. Wegen schlechter Leistung wäre er niemals aufgefallen.

Wie konnte er also entdeckt werden? Maharaj war nach Yale gekommen, weil die Uni angesehen ist – und liberal. Yale gilt als gay ivy. Homosexualität ist in New Haven keine Krankheit. Und Maharaj war schwul.

Im Mai 2007 verließ Maharaj seinen Freund. Der Ex rächte sich und gab der Uni-Verwaltung den entscheidenden Hinweis auf die Fehler im Lebenslauf. Plötzlich fiel das Kartenhaus in sich zusammen. Maharaj kam zeitweise in die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie.

Am Montag nun wurde Maharaj von einem Gericht in New Haven dazu verurteilt, der Uni mehr als 13.000 Dollar Studiengebühren zurückzuzahlen. Andernfalls drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.

Die Yale Daily News erzählt heute Maharajs Geschichte – eine menschliche Tragödie und ein trauriges Lehrstück aus der amerikanischen Spitzenbildung, die sich selbst damit brüstet, hypercompetitive zu sein.