Es scheint mir, dass – wenn man zurückgeht und sich selbst fragt, wie vor einigen Jahren irgendjemand realistisch hätte abschätzen können, was schließlich mit den Subprime-Krediten passieren würde – ich denke, damit verlangt man mehr, als irgendjemand beurteilen kann. Und wir haben diese außergewöhnlich komplexe Weltwirtschaft, die – wie nun jeder erkennt – sehr schwierig in einiger Genauigkeit vorherzusagen ist.
Wer also hätte die Immobilienkrise bloß ahnen können?
Bob Shiller zum Beispiel.
Im Vorwort seines Buches über Finanzkrisen („Irrationaler Überschwang“, 2. Auflage) schrieb Shiller schon 2005:
Menschen in vielen Teilen der Welt sind übertrieben optimistisch, dass sich der Aktienmarkt und (vielerorts) der Immobilienmarkt extrem gut entwickeln. Diese überzogene Zuversicht kann zu Instabilität führen. Weitere signifikante Kursanstiege in diesen Bereichen können letztlich zu noch heftigeren Kursverlusten führen. Das schlimme Ergebnis kann sein, dass diese Verluste einen substantiellen Anstieg der Privatinsolvenzen auslösen, der wiederum eine zweite Insolvenzwelle, nämlich unter Finanzinstitutionen, nach sich zieht.
Das hat kein obskurer Verschwörungstheoretiker in irgendeinem Pamphlet geschrieben, sondern ein Yale-Professor in einem Buch, das von Princeton University Press veröffentlicht und in 13 Sprachen übersetzt wurde.
Mit Unwissenheit kann sich Greenspan nicht aus der Verantwortung stehlen.
3 Kommentare:
Hm, ja, ich weiß nicht so recht. Klar steckt in der Behavioral Economics Theorie von Shiller immer drin, dass Zyklen von Boom and Bust entstehen. Meiner Meinung geht Shiller zu weit, jetzt für sich zu beanspruchen, die Krise vorhergeahnt zu haben. Nur ein paar vage "kann" oder "könnte" Formulierungen im Vorwort (im Original verwendet er "could") reichen mir da nicht. In der Vorlesung "Financial Markets" hat Shiller Mitte Januar 2008 die Wahrscheinlichkeit, dass der Dow Jones dieses Jahr im Plus abschließen wird, auf 45% taxiert. Der Jahresabschlusskurs 2007 war 13.265 Punkte, am 24.10.2008 stehen wir bei 8.378,95 Punkten. Ein Prophet ist Shiller auch nicht.
Nein, exakt progonostizieren konnte Shiller den Zeitpunkt und das Ausmaß der Immobilienkrise sicherlich nicht. Das aber habe ich aber auch nicht behauptet. Der Kommentar zerschlägt also einen Popanz, den der Artikel niemals aufgebaut hat.
Tatsächlich wurde Shiller im Blog-Eintrag eine Ahnung der Immobilienkrise attribuiert – und das mit gutem Grund. Während nämlich viele Kollegen und insbesondere die Entscheider in der Zentralbank noch an eine new era story auf dem Immobilienmarkt glaubten, warnte Shiller bereits vor einer irrationalen Übertreibung.
Es geht um eine grundsätzliche Frage: ob Finanzmärkte immer und überall effizient sind. Wenn sich nun Finanzexperten, die einen Großteil ihrer akademischen Laufbahn mit Untersuchungen der Markteffizienz verbracht haben, plötzlich von ihren Aktien trennen und Alan Greenspan, der bis zum Ende seiner Amtszeit als Zentralbank-Chef kein Wölkchen am blauen Himmel des Immobilenmarktes erkennen wollte, von einer Schwachstelle in seiner Ideologie spricht, dann bestätigt das Shillers Skepsis gegenüber effizienten Märkten und einem deregulierten Finanzsektor auf das Deutlichste.
Dem kann ich nur zustimmen, Greenspans kleinlaute Bemerkungen zeigen, dass es mit den effizienten Märkten nicht weit her war. Insofern leistet die Behavioral Economics Theorie einen wichtigen Beitrag zur Erklärung dieser Phänomene, das stelle ich gar nicht in Frage.
Meine Bemerkung zielt nur darauf ab, dass Shiller momentan in der Vorlesung so tut, als hätte er das ganze Schlamassel prophetisch vorausgeahnt. In diesen Tagen würde ihm ein bisschen mehr akademische Bescheidenheit, ähnlich wie in den "könnte" Formulierungen in Irrational Exuberance gut tun.
Nach dreimaliger Betonung, dass er sich mit Beratern von Obama und McCain getroffen hat, glaube ich ihm auch so, dass er was auf dem Kasten hat.
Aber alles in allem spricht aus mir hier natürlich nur der blanke Neid ;-)
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