Mittwoch, 14. Januar 2009

Reisewarnung

Letzte Station: Los Angeles. Die zweitgrößte Stadt der USA ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt kein Zentrum, stattdessen liegen Strand, Downtown, Museumsviertel und Stadtpark jeweils Kilometer voneinander entfernt. 

Was die Sache nicht einfacher macht: Los Angeles ist eine einzige Verkehrskatastrophe. Die Straßen wirken noch voller und der Fahrstil noch ruppiger vor als in New York. Um den Mietwagen am zehn Kilometer entfernten Flughafen abzugeben, brauche ich vom Hotel aus fast eine Stunde – und das nach der rushhour

Die U-Bahn von LA ist zwar schick und schnell, hat aber ein großes Problem: Es gibt sie kaum. Los Angeles besitzt gerade einmal vier U-Bahn-Linien – das ist eine weniger als Nürnberg. Folglich fährt man Bus und steht im Dauerstau.

Was sieht man also von Los Angeles, wenn nicht die Inneneinrichtung eines Busses? Zum Beispiel das County Museum of Art. Auf den ersten Blick die übliche Sammlung jedes amerikanischen Kunstmuseums, das etwas auf sich hält: Rubens, Monet, Picasso, Pollock. Großartige Bilder – wäre die Zusammenstellung bloß nicht so berechenbar. Es ist, als dürfte man den ganzen Tag über nur Greatest-Hit-Alben hören. Neben den üblichen Verdächtigen gibt es im County Museum aber auch die Baumwollpflücker von Winslow Homer und René Magrittes berühmte (Nicht-)Pfeife. Außerdem eine exzellente Sammlung aus der Weimarer Republik samt Wahlplakaten und Fritz-Lang-Filmen. 

Sehenswert auch das Getty Center, ein Kunstzentrum aus den neunziger Jahren, hoch auf einem Berg über der Stadt mit Blick auf Pazifik, Wolkenkratzer und den Stau auf der zehnspurigen Autobahn 405. 

Alles in allem ist Los Angeles keine langweilige Stadt, aber nicht annähernd so spannend wie Kaliforniens zweite Metropole. Reiseempfehlung: ein Tag Los Angeles, eine Woche San Francisco.

Im County Museum von Los Angeles ist übrigens derzeit die Fußball-Installation Deep Play von Harun Farocki zu sehen.



Vor anderthalb Jahren habe ich mir Farockis Installation noch auf der Documenta 12 in Kassel angeschaut. Hessen rückt näher.

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