Praktische Menschen, die sich selbst frei von allen intellektuellen Einflüssen wähnen, sind meistens Sklaven irgendeines Ökonomen.John Maynard Keynes
Ein Rettungspaket für die amerikanischen Banken? Unmöglich, riefen Amerikas Politiker noch vor wenigen Wochen. Das wäre ja Sozialismus. Noch schlimmer: Das wäre unamerikanisch. Soll die Regierung in Schieflage geratene Hypotheken aufkaufen? Niemals, hieß es noch vor wenigen Tagen. Seit gestern Abend wollen sowohl McCain als auch Obama die notleidenden Kredite dem Staat aufbürden.
So wagemutig und entschlossen sich die Politiker in Washington derzeit darstellen wollen – ihre Ideen sind kein einzigartiger Ausfluss ihrer Tatkraft. Sowohl Bailout als auch Hypotheken-Aufkauf hat Bob Shiller bereits Ende August in seinem Buch „The Subprime Solution“ („Die Lösung der Immobilienkrise“) gefordert.
Der Yale-Professor ist dieser Tage ein Dauergast bei Fernsehsendern und Radiostationen. Der Spiegel hat Shiller für die aktuelle Ausgabe ausführlich interviewt. Morgen erscheint seine neueste Kolumne im Wall Street Journal. Als Student in Shillers Kurs über Behavioral Economics kann man dem Finanzexperten beim Denken zuschauen – jede Vorlesung beginnt mit seinen neuesten Überlegungen zur Wirtschaftskrise.
Am Mittwochabend hat Shiller sein Buch „The Subprime Solution“ nun endlich in Yale vorgestellt, fünf Häuser von der Graduiertenschule entfernt. In der Buchhandlung „Labyrinth“ saßen die Zuhörer noch auf den Treppenstufen.
Mit weicher Stimme und zurückhaltender Gestik stellte Shiller seine Thesen vor – der stillste Revolutionär, den man sich vorstellen kann. Shiller will die Finankrise ausgerechnet mit einer Ausweitung der Finanzmärkte bekämpfen. Auf der Reformliste des Finanzexperten stehen unter anderem eine inflationsfreie Zweitwährung, eine staatlich geförderte Anlageberatung und eine Versicherung gegen fallende Häuserpreise.
Die anschließende Fragerunde zeigt, wie ängstlich die Amerikaner in den vergangenen Wochen geworden sind. Wann ist die Krise endlich vorbei? Wie kann ich mein Geld sicher anlegen? Was können die Politiker überhaupt noch tun? Tief unter der notorisch guten Laune sitzt inzwischen die Furcht vor der Großen Depression des 21. Jahrhunderts.
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