Zu Besuch in einer gated community an der Küste von North Carolina. Rund 2000 Amerikaner aus der besseren Gesellschaft haben sich hier ihre eigene kleine Welt geschaffen – mit adretten Häusern, eigenem Restaurant, eigenem Golfplatz. Eine zwei Meter hohe Mauer umschließt die Siedlung. Besucher müssen angemeldet werden, damit der Wächter am Tor den Schlagbaum hebt. „Das ist gegen unerwünschte Gäste“, sagt mein Gastgeber zur Begrüßung. Später am Abend sagt er: „Wir isolieren uns hier. Das ist eigentlich traurig.“
Mein Gastgeber ist glühender Obama-Fan. Der Demokrat sei ein intelligenter Politiker, sagt er – und eine Persönlichkeit, die Amerikas zerrissene Gesellschaft wieder zusammenführen könne. Denn die USA seien tief gespalten. In Wohlhabende und Bettelarme. In Fast-Food-Esser und Gourmets. In Kriminelle und den ängstlichen Mittelstand. „Diese Polarisierung ist in den letzten 30 Jahren kontinuierlich stärker geworden. Das ist schlimm.“ So spricht man hinter den Mauern des Wohlstands.
Das Leben in der Siedlung ist streng geregelt. Es gibt unzählige Vorstände, Stiftungen, Beiräte. Als meine Gastgeber kürzlich das Gras neben ihrem Haus etwas länger wachsen ließen, bekamen sie umgehend Post vom Vorstand der Nachbarschaft. Die Pflege der Grünflächen entspreche nicht den hohen Standards der Siedlung, hieß es in dem Schreiben. Auch so lebt es sich hinter den Mauern des Wohlstands.
Im Nachbarhaus wohnt der ehemalige Innenarchitekt von Jackie Kennedy. Der besitze ein 100-teiliges Service von Tiffany, erzählt meine Gastgeberin. Das Silberbesteck habe er früher einmal von Truman Capote gekauft.
In der Siedlung leben viele Ruheständler, aber auch junge Familien. Nette Menschen. Elite. Man trifft sich im Clubhaus, zur Cocktailparty, zum Tennisspielen. Viele sind aus den Nordstaaten nach North Carolina gezogen, um der Kälte zu enftliehen. Hier braucht man selbst im Winter kaum jemals einen Pullover.
Kürzlich sei er einmal an der Außenseite der Mauer entlang gegangen, erzählt mein Gastgeber. Da sei er an zwei Schwarzen vorbei gekommen. „Was ist denn hinter dieser Mauer?“, habe der eine den anderen gefragt. „Ach, da halten wir unsere Yankees“, habe der geantwortet.
Machen wir langsam wieder unseren Job…
vor 9 Jahren
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