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Mittwoch, 20. August 2008

In den Bergen

Nach all den Museen der vergangenen Tage ein Ausflug in die Natur. Rund 170 Kilometer auf dem Skyline Drive über die Gipfel des Shenandoah National Park im Westen Virginias. 

Mit jedem Kilometer Abstand von der Autobahn wird die Luft klarer und kälter. Klimaanlage aus, Fenster runter. Radio aus. Das Handy hat ohnehin keinen Empfang. 

Der Skyline Drive windet sich von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Der Blick wird immer schöner – auf das Shenandoah Valley im Westen und die Blueridge Mountains im Osten.

Diaschau: Skyline Drive

Der Skyline Drive ist übrigens dem Keynesianismus zu verdanken: Im Rahmen des New Deal ließ Präsident Roosevelt die Straße bauen – als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für junge Männer.

Dienstag, 19. August 2008

Nighthawk

Würde Edward Hopper die Einsamkeit in Amerika heute vielleicht so darstellen?



Abendstimmung vor einer shopping mall an einer Einfallstraße von Charlottesville, Virginia.

Ein Schnappschuss mit der Handykamera. Der Nachteil: Die Bildqualität ist lausig. Der Vorteil: Man kann ganz unauffällig Motive abbilden, die man mit einer großen Spiegelreflexkamera niemals fotografieren könnte.

The House upon a Hill

Heutiges Programm: Geschichte in hoher Dosierung. Morgens auf dem Schlachtfeld von Yorktown, auf dem die Amerikaner (zusammen mit französischen Soldaten) gegen die Briten (im Verbund mit deutschen Söldnern) ihre Unabhängigkeit erkämpften. Mittags entlang eleganter Plantagen auf Virginia’s Scenic Byway 5. Beides sehenswert.

Am Nachmittag in Monticello, dem Landsitz Thomas Jeffersons. Der beispiellose Bau entstand nach Jeffersons eigenen Plänen inmitten von Hügeln, die so sanft gewellt sind, als sei ein riesiger Lockenstab über die Erde von Virginia gegangen.

Mit Monticello entwarf Jefferson eine begehbare Architekturgeschichte, ein amerikanisches Museum und ein privates Refugium – alles unter einem Dach. Er gestaltete die Räume in verschiedenen griechischen Baustilen, drapierte die Eingangshalle mit Exponaten aus dem Wilden Westen und schuf sich einen Rückzugsraum von der ungeliebten Tagespolitik. Das Ergebnis lässt heute noch staunen.



In manchen Details erinnert Monticello an das Goethe-Haus in Weimar. Und damit gibt es endlich einen Anlass, folgenden Lesetipp loszuwerden: Harald Martenstein erkundet mit seinem Sohn das klassische Weimar. Martensteins Artikel ist zwar in diesem Blog off topic, aber so großartig, dass er einfach verlinkt werden muss.

Bildungskonsum

Warten auf den Bus in Monticello, Virginia. Neben mir auf der Bank sitzt eine vielleicht 18-Jährige mit ihrem Vater. Offenbar beginnt bald ihr Studium an der University of Virginia.

„Ich bezahle viel Geld für dein Studium“, schärft ihr der Vater ein. „Du musst unbedingt zu deinen Professoren in die Sprechstunde gehen.“ – „Aber wenn ich nichts zu fragen habe?“, gibt das Mädchen zu bedenken. – „Das kann nicht sein. Sie müssen dir helfen. Und wenn sich die Professoren nicht um dich kümmern, dann rufe ich da an und mache Druck. Wir haben unseren Teil des Vertrags erfüllt, jetzt ist deine Uni an der Reihe. Du musst nichts geben – du hast etwas zu bekommen.“

Oh heiliger Humboldt, hilf!

Montag, 18. August 2008

Am Geburtsort der USA

Im Mai 1607 landeten drei englische Segelschiffe an der Küste des heutigen Virginia. Der Auftrag der rund 100 Männer an Bord: eine Kolonie in Nordamerika gründen. Es entstand Jamestown, die erste dauerhafte Siedlung von Engländern auf amerikanischem Boden – die Keimzelle der USA.

Heute soll das Leben der ersten Siedler in einem Freilichtmuseum nahe dem historischen Ort erlebbar werden. Fort Jamestown, ein Indianerdorf und die Schiffe der Engländer sind nachgebaut; Schauspieler in der Kleidung des frühen 17. Jahrhunderts patrouillieren, sägen und flechten.

Diaschau: Jamestown

Im Jamestown Settlement spürt man mitunter den Holzhammer überzogener Museumspädagogik. Eine klassische Ausstellung im Innern des Museums bietet jedoch eine Alternative.

Beiden Museumsformen ist eines gemeinsam: der legere Umgang mit dem Leid der englischen Pioniere, mit dem Schicksal der Powhatan-Indianer und dem Sklavenleben der Schwarzen in Jamestown. Irgendwie löst sich das alles in Wohlgefallen auf. Was fehlt im Vergleich zu einem deutschen Museum? Die Betroffenheit. Kein Wunder, lautet das Motto des Jamestown Settlement doch: „History is fun.“

Jamestown nahm einen schwierigen Start. Seuchen und Hungersnöten wüteten, ehe die Siedlung endlich aufblühte. Doch als die Hauptstadt Virginias von Jamestown ins Landesinnere verlegt wurde, ging es wieder bergab mit der ersten englischen Siedlung Amerikas; schließlich wurde Jamestown ganz aufgegeben.

Interessanterweise erging es der neuen Hauptstadt Virginias einige Jahrzehnte später ganz ähnlich: Williamsburg prosperierte als Nachfolger Jamestowns, musste aber bald die Hauptstadtwürde nach Richmond abgeben. Vom Glanz der Kolonialzeit blieb kaum etwas übrig. Dieses Wenige wurde in den 1920er Jahren entdeckt. Seither wird das historische Williamsburg rekonstruiert. Oder besser gesagt: als Imitat wieder aufgebaut. Denn was die Amerikaner historic nennen, hat mehr mit Disneyworld zu tun als mit Denkmalpflege.

Diaschau: Williamsburg