
Am Sonntag sechs Stunden im Auto durch die Wüste, von Las Vegas zum Grand Canyon. Sechs Stunden im Nichts. Neben der Autobahn läuft eine Stromleitung entlang, ansonsten ahnt man kaum, dass es Menschen auf der Erde gibt. Nur Sand, rote Felsen, Gras und Büsche.

Alle 30 Minuten erinnert eine Siedlung schwach an die Zivilisation. Orte wie Ash Fork und Kingman, Karikaturen einer amerikanischen Stadt. Tankstellen, Fast-Food-Restaurants, Motels, einige klapprige Wohnhäuser. Das war es.


In der Wüste von Arizona fährt man nicht Auto, man cruist. Eine schnurgerade Autobahn, fast kein Verkehr. Da reicht eine Hand am Lenkrad. Die Füße braucht man meistens gar nicht, weil der Tempomat die Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern hält. Gelegenheit zum Panoramablick auf die Lucky-Luke-Landschaft.
Erst im Dunkeln Ankunft am Südrand des Grand Canyon. Nachts noch einmal an die Schlucht gelaufen. Der Mond leuchtet die Nordseite sanft aus. Der Himmel ein Farbverlauf von Dunkelblau nach Schwarz. Hunderte Sterne zu sehen; je länger man nach oben schaut, desto mehr werden es. Vollkommene Stille.
Vor nicht einmal zwei Wochen auf der Spitze des Rockefeller Center in New York. Das Lichtermeer von Manhattan bei Nacht. Reklameleuchten, Scheinwerfer, Autolichter. Am Himmel kaum ein Stern auszumachen. Fröhlicher Lärm von Menschen aus aller Welt, den man noch 72 Stockwerke über dem Grund hört.
Zwei Momente, wie sie unterschiedlicher nicht seien können. Aber beide so erhaben, dass man sich fast schämt für die eigene Rührung.
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