Das war als Witz gemeint. Ob es auch jeder Leser so verstanden hat?
Minus 700 Punkte. Das ist heftig. Noch mehr Anlass zur Sorge gibt jedoch eine andere, auf den ersten Blick unscheinbare Zahl: 4,14 Prozent. Das ist der aktuelle TED-Spread. Noch nie gehört? Das liegt daran, dass Journalisten den TED-Spread nicht mögen. Man braucht nämlich mehr als einen Nebensatz, um ihn zu erklären.
Versuchen wir es mal mit einem Absatz:
Banken leihen sich in normalen Zeiten untereinander riesige Geldmengen. Der durchschnittliche Zinssatz, den sich die Banken gegenseitig berechnen, heißt Libor. Auch die US-Regierung nimmt laufend Geld über kurzfristige Staatsanleihen auf. Diese Treasury Bills gelten also vollkommen risikofrei. Schließlich kann die Regierung der weltweit größten Volkswirtschaft einfach Steuern erheben, um ihre Schulden zu zahlen. Die Differenz zwischen Libor und Treasury-Bill-Zinssatz gibt an, welchen Aufschlag die Banken ihren Schuldnern anbieten müssen, um ihr höheres Risiko auszugleichen. Und genau diese Differenz heißt TED-Spread.
Bis vor wenigen Monaten lag der TED-Spread noch unter einem Prozentpunkt. Die amerikanischen Banken galten als gesund; ihre kurzfristige Verschuldung war reines Routinegeschäft. Temps perdu. Am Donnerstag war der TED-Spread mit 4,14 Prozentpunkten so groß wie nie zuvor. Das Misstrauen der Banken untereinander wächst von Tag zu Tag – und der TED-Spread misst genau dieses Misstrauen.
Was passiert im Moment? Das Ansehen der Banken sinkt immer weiter, also müssen sie immer höhere Zinsen anbieten, um sich am Markt die dringend nötige Liquidität zu beschaffen. Gleichzeitig flüchten die ängstlichen Anleger in sichere Papiere – und am sichersten sind nun einmal Staatsanleihen. Diese Massenflucht treibt die Zinsen der Treasury Bills nach unten.
Am 17. September, dem psychologisch verheerendsten Tag der Finanzkrise, drehte die Rendite der kurzfristigen Staatsanleihen sogar ins Minus. Die Anleger bezahlten also 100 Dollar, um in drei Monaten 99 Dollar zurückzuerhalten. Das ist für Ökonomen so spannend zu beobachten wie eine Sonnenfinsternis für Astronomen.
Mit dem Unterschied, dass negative Renditen eigentlich unmöglich sind. Schließlich wäre es klüger, Bargeld zu horten – dann behalten die 100 Dollar zumindest ihren Wert. Aber wenn ein reicher Anleger in Panik seine gesamten Aktien verkauft, kann er den Erlös eben nicht einfach in Dollarscheinen unter der Matratze verstecken. Also das Geld in den sichersten Hafen bringen, nämlich in Staatsanleihen investieren – koste es, was es wolle.
4,14 Prozent TED-Spread – was bedeutet das? Wahrscheinlich großen Ärger. Je schlechter sich die Banken mit Geld versorgen können, desto weniger Kredite werden vergeben. Die ersten Risse in der amerikanischen Volkswirtschaft sind schon zu sehen.
Der Ratschlag meines Professors in Wirtschaftsgeschichte: Lebensmittel auf Vorrat kaufen und Bargeld horten.
Aber das war bestimmt nur ein Witz.
1 Kommentar:
Wenn der DAX so weiter fällt, dann schafft er es schon in 11 Tagen auf die Nulllinie ;-)
Aber dann kann es ja nur noch bergauf gehen; zumindest betragsmäßig...
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