Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 30. Dezember 2008

Interessante Kombinationen

  • Die Independence Hall in Philadelphia sehen, in der die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde, und am nächsten Tag das vergilbte Originaldokument im Nationalarchiv in Washington zu entziffern versuchen.
  • In Philadelphia nachmittags die Liberty Bell, das Symbol der freiheitlichen USA, besichtigen und abends in „Milk“ gehen, einen neuen Kinofilm über den ersten erfolgreichen, aber schließlich ermordeten schwulen Politiker Amerikas.
  • In Washington vormittags die Weltkriegs-Bomber im Air and Space Museum sehen und nachmittags in der National Galery of Art auf Anselm Kiefers Skulptur „Angel of History“ stoßen. 

Mittwoch, 27. August 2008

Amerikas erster Spion

Eine nette Geschichte aus der Stadtführung. Auf dem Old Campus erinnert eine Statue an Amerikas ersten Spion, den Yale-Absolventen Nathan Hale. Im Sommer 1776 sollte Hale im Auftrag George Washingtons die Stellungen der Engländer auskundschaften. Voller Stolz erzählte Hale in der nächstgelegenen Kneipe von seinem Spezialauftrag. Unglücklicherweise war sein Sitznachbar ein englischer Zivilpolizist. Hale wurde auf der Stelle festgenommen und wenig später hingerichtet. Trotz seiner vollkommenen Erfolglosigkeit als Spion wurde der Yale-Absolvent ein amerikanisches Idol – wegen seiner letzten Worte: „Ich bereue allein, dass ich nur ein einziges Leben für mein Land geben kann.“

Mehr als 100 Jahre später interessierte sich die CIA für die Statue des ersten US-Spions auf dem Old Campus. Der Yale-Präsident wollte das Denkmal jedoch nicht verkaufen; auch einen Abguss erlaubte er nicht. Aus Furcht vor einer geheimen Kopie ließ er jeden Abend die Tore des Old Campus verschließen. Die CIA verschaffte sich dennoch Zutritt und weihte wenige Monate später vor ihrem Hauptsitz eine Hale-Statue ein – einen genauen Abguss des Yale-Exemplars.

Donnerstag, 21. August 2008

We the People

In Philadelphia, Ende des 18. Jahrhunderts größte Stadt und Hauptstadt der USA. Geblieben ist aus dieser Zeit ein Stadtzentrum, das auf winziger Fläche eine überwältigende Geschichte bietet. In zehn Minuten passiert man zu Fuß die Freiheitsglocke (von Amerikanern mit beinahe religiöser Inbrunst verehrt), die ehemaligen Gebäude des Verfassungsgerichts und des Kongresses, den zeitweiligen Sitz des US-Präsidenten und die Liberty Hall mit einem Denkmal George Washingtons.



In diesem Backsteinhaus wurden die Unabhängigkeitserklärung (zuvor in Monticello entworfen) und die Verfassung der USA verabschiedet. Der Plenarsaal ist mit einigen Originalstücken und viel Tand rekonstruiert.



Aber so sehr der fahrlässige Umgang des National Park Service mit historischen Stätten auch ärgert – erhebend ist es schon, in dem Saal zu stehen, in dem die US-Verfassung verabschiedet wurde.
We the People of the United States, in Order to form a more perfect Union, establish Justice, insure domestic Tranquility, provide for the common defence, promote the general Welfare, and secure the Blessings of Liberty to ourselves and our Posterity, do ordain and establish this Constitution for the United States of America.
Gar nicht historisch, sondern ganz modern angelegt ist das Projekt Philadelphia Wireless: Die gesamte Stadt soll kostenlos über ein riesiges Funknetzwerk Internetzugang erhalten. Bei meinem Test kamen freilich Erinnerungen hoch – ein solches Schneckentempo kannte ich noch von alten 33.6er-Modems. Es fehlte nur das lustige Fauchen und Krachen beim Einwählen.

Dienstag, 19. August 2008

The House upon a Hill

Heutiges Programm: Geschichte in hoher Dosierung. Morgens auf dem Schlachtfeld von Yorktown, auf dem die Amerikaner (zusammen mit französischen Soldaten) gegen die Briten (im Verbund mit deutschen Söldnern) ihre Unabhängigkeit erkämpften. Mittags entlang eleganter Plantagen auf Virginia’s Scenic Byway 5. Beides sehenswert.

Am Nachmittag in Monticello, dem Landsitz Thomas Jeffersons. Der beispiellose Bau entstand nach Jeffersons eigenen Plänen inmitten von Hügeln, die so sanft gewellt sind, als sei ein riesiger Lockenstab über die Erde von Virginia gegangen.

Mit Monticello entwarf Jefferson eine begehbare Architekturgeschichte, ein amerikanisches Museum und ein privates Refugium – alles unter einem Dach. Er gestaltete die Räume in verschiedenen griechischen Baustilen, drapierte die Eingangshalle mit Exponaten aus dem Wilden Westen und schuf sich einen Rückzugsraum von der ungeliebten Tagespolitik. Das Ergebnis lässt heute noch staunen.



In manchen Details erinnert Monticello an das Goethe-Haus in Weimar. Und damit gibt es endlich einen Anlass, folgenden Lesetipp loszuwerden: Harald Martenstein erkundet mit seinem Sohn das klassische Weimar. Martensteins Artikel ist zwar in diesem Blog off topic, aber so großartig, dass er einfach verlinkt werden muss.

Montag, 18. August 2008

Am Geburtsort der USA

Im Mai 1607 landeten drei englische Segelschiffe an der Küste des heutigen Virginia. Der Auftrag der rund 100 Männer an Bord: eine Kolonie in Nordamerika gründen. Es entstand Jamestown, die erste dauerhafte Siedlung von Engländern auf amerikanischem Boden – die Keimzelle der USA.

Heute soll das Leben der ersten Siedler in einem Freilichtmuseum nahe dem historischen Ort erlebbar werden. Fort Jamestown, ein Indianerdorf und die Schiffe der Engländer sind nachgebaut; Schauspieler in der Kleidung des frühen 17. Jahrhunderts patrouillieren, sägen und flechten.

Diaschau: Jamestown

Im Jamestown Settlement spürt man mitunter den Holzhammer überzogener Museumspädagogik. Eine klassische Ausstellung im Innern des Museums bietet jedoch eine Alternative.

Beiden Museumsformen ist eines gemeinsam: der legere Umgang mit dem Leid der englischen Pioniere, mit dem Schicksal der Powhatan-Indianer und dem Sklavenleben der Schwarzen in Jamestown. Irgendwie löst sich das alles in Wohlgefallen auf. Was fehlt im Vergleich zu einem deutschen Museum? Die Betroffenheit. Kein Wunder, lautet das Motto des Jamestown Settlement doch: „History is fun.“

Jamestown nahm einen schwierigen Start. Seuchen und Hungersnöten wüteten, ehe die Siedlung endlich aufblühte. Doch als die Hauptstadt Virginias von Jamestown ins Landesinnere verlegt wurde, ging es wieder bergab mit der ersten englischen Siedlung Amerikas; schließlich wurde Jamestown ganz aufgegeben.

Interessanterweise erging es der neuen Hauptstadt Virginias einige Jahrzehnte später ganz ähnlich: Williamsburg prosperierte als Nachfolger Jamestowns, musste aber bald die Hauptstadtwürde nach Richmond abgeben. Vom Glanz der Kolonialzeit blieb kaum etwas übrig. Dieses Wenige wurde in den 1920er Jahren entdeckt. Seither wird das historische Williamsburg rekonstruiert. Oder besser gesagt: als Imitat wieder aufgebaut. Denn was die Amerikaner historic nennen, hat mehr mit Disneyworld zu tun als mit Denkmalpflege.

Diaschau: Williamsburg