Mittwoch, 15. Oktober 2008

Aus dem Ländle nach Yale

Am Vormittag die erste Yale-Klausur: midterm exam bei Bob Shiller. In 70 Minuten geht es um die Finanzkrise, Hungersnöte, Entscheidungstheorie, Entwicklungspolitik, Fairness und Herdenverhalten. Das Problem einer solchen Horizonterweiterungsvorlesung: Wenn sie ernsthaft gemacht ist, liest man sich zu Tode. Die Zusammenfassung meiner Zusammenfassungen hatte noch immer 30 Seiten.

Danach eine halbe Stunde Pause bis zur Ökonometrie-Vorlesung. Mit einigen deutschen Kommilitonen im Aufenthaltsraum der Wirtschafts-Fakultät.



Und nein, das Bild ist wirklich aus keiner Image-Broschüre geklaut.

Erstaunlich: Alle deutschen Kommilitonen in meinem Jahrgang haben zuvor in Baden-Württemberg studiert – mit einem Versprengten aus Augsburg, aber das liegt ja auch noch in Schwaben.

Überhaupt ist die Deutschen-Quote in Yale extrem hoch: Acht der rund 25 VWL-Studenten im ersten Jahr des Promotionsprogramms kommen aus Deutschland. Wenn man sich die Zahl der Europäer aus anderen Ländern und der Asiaten anschaut, dann kann es im VWL-Jahrgang kaum noch Amerikaner geben. Wahrscheinlich stellen die Deutschen im Moment die größte Gruppe.

Vor hundert Jahren war der Studentenfluss noch umgekehrt: Damals gehörte es unter amerikanischen Nachwuchs-Volkswirten zum guten Ton, in Deutschland zu studieren. Mehr als 20 der ersten 26 Praesidenten der American Economic Association hatten einem Shiller-Paper zufolge in Deutschland studiert.

Das Schöne an der hohen Deutschen-Quote: Nach Klausur und Ökonometrie-Vorlesung kann man sich auf den Campus setzen und über das Laenderspiel gegen Wales reden. Muss auch mal sein.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Pierre,

von welchen Universitäten aus Baden-Württemberg kommen den deine deutschen Mitkommilitonen ?

Gruß aus England,
Konstantin

pfink hat gesagt…

Fuenf kommen aus Mannheim und zwei aus Tuebingen.