Der letzte Tag vor Kursbeginn. Am Vormittag im Payne Whitney Gym. Von außen wirkt der wuchtige Neogotik-Bau wie eine Kathedrale. Hinter der prunkvollen Fassade verbergen sich aber zwei Schwimmbecken, mehrere Basketballfelder, eine Rudermaschine ... Das Payne-Whitney-Gym ist Amerikas größtes Fitnesszentrum. Eigentümerin: die Yale University. Studenten müssen nicht einen Cent Eintritt zahlen. Ich gehe schimmen – in einem Pool im dritten Stock.
Mittags im Speisesaal der Graduiertenschule. Nach drei Jahren Tübinger Mensa-Tristesse ein ganz neues Erlebnis: ein riesiges Salatbuffet, zwei Suppen, etliche Hauptgerichte, Waffeln, Eis und Obst. Dafür kostet das Mittagessen auch 10 Dollar – es sei denn, man wird von der freundlichen Aufpasserin in der ersten Uni-Woche als Testesser durchgewunken.
Nachmittags im Peabody-Museum. Für die neuen Studenten der Graduiertenschule gibt es vier Sonderführungen durch die normalerweise verschlossenen Archive des naturwissenschaftlichen Museums. Ich lande bei einem Experten für ausgestorbene Tiere ohne Wirbelsäule. Zwischen tausenden Fossilien die Erfahrung, wie eng die Grenzen des eigenen Fachs sind, wie hilflos man sich auf einem fremden Feld fühlt, wenn selbst die einfachsten Grundkenntnisse fehlen. (Wann war noch mal das Kambrium?) Aber auch das gehört zum Studium: zu lernen, wie wenig man weiß. Das Vorlesungsverzeichnis der Graduiertenschule ist 539 Seiten dick. Ganze 11 Seiten entfallen auf die Volkswirtschaftslehre.
Abends auf dem Weg zum Bus über einen Zebrastreifen gelaufen. Das mögen nicht alle amerikanischen Autofahrer. Eine junge Frau bremst im letzten Moment und ruft uns hinterher: „You don’t own the street, fucking Yalies!“
Machen wir langsam wieder unseren Job…
vor 9 Jahren
1 Kommentar:
All the best for your first day - and the days ahead. Have a great term! mvz
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