Sonntag, 30. November 2008

Yale ist, wenn ...

Drei sichere Anzeichen, dass man wieder zurück ist in Yale:
  1. Das Wetter ist eklig.
  2. Der Chor im ganz normalen Gottesdienst hat besser gesungen als anderswo auf einem Konzert.
  3. Es ist kurz vor eins am Mittag und ich trinke meinen dritten Kaffee für heute.
Welcome back.

Nachtrag: Gerade ein viertes Yale-Erlebnis: In der New York Times schreibt heute Louis Uchitelle, mit dem ich nach einem Gastvortrag zum Mittagessen war, über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Savannah, wo ich im August war. Unheimlich, oder?

Freitag, 28. November 2008

Einkaufswahnsinn

Am Tag nach Thanksgiving, hatten mich meine amerikanischen Verwandten gewarnt, dürfe man am besten gar nicht einkaufen gehen. Zu groß sei der Andrang, weil viele Arbeitnehmer frei haben und die Familien sich in die shopping malls stürzen. Aber dass an diesem Tag so viel los sein würde, dass in New York ein Supermarkt-Mitarbeiter von der hereindrängenden Meute totgetrampelt wird, das hätte ich dann dann vorher doch nicht geglaubt.

Warum wir Amerika trotzdem lieben

Die FAZ führt auf ihrer Homepage derzeit zwölf Gründe an, „warum wir Amerika trotz der Krise lieben“. Meine beiden Lieblingsbeiträge:
Katja Gelinsky über die amerikanische Freundlichkeit
„Hallo, wie geht’s? Was tragen Sie für ein hübsches Tuch! Einen wunderschönen Abend noch.“ Dazu lächelt die Kassiererin im Supermarkt gutgelaunt. Die Amerikaner sind freundliche, höfliche Menschen. Dazu gehört auch, dass sich jedermann ständig bedankt. Egal ob Gastgeber oder Gast, Kunde oder Verkäufer: Ohne gegenseitige Dankesbezeugungen geht man in den Vereinigten Staaten nicht auseinander. Liebenswürdigkeit tut gut. Die Amerikaner machen es uns vor. 

Anna von Münchhausen über den Indian Summer
Warum in diesen Tagen zwischen Massachusetts und Connecticut so viel Gold in der Luft liegt, warum es im Herbst dort so besonders bunt zugeht, warum Moleküle namens Anthocyane wie entfesselt die Blätter in Brand setzen – schlüssig erklären kann das niemand. Aber irgendetwas muss dran sein, wenn sich gerade wieder Zigtausende aufmachen, um zu bewundern, was gern als „das Naturschauspiel“ gepriesen wird. Von wegen Natur: Der amerikanische Traum selbst ist es, der sich im Indian Summer in Szene setzt. Der unerschütterliche Glaube an die Möglichkeit der Selbsterneuerung, der auch nicht stirbt, bloß weil der Wind ein wenig schärfer geht. Denn der nächste Frühling kommt bestimmt.
Das ist so hübsch geschrieben – da ist es direkt geschenkt, dass in Massachusetts und Connecticut längst kein Gold mehr in den Bäumen liegt, weil der Indian Summer seit fast einem Monat vorüber ist. 

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der überhaupt nur zu den ganz großen Menschheitsfragen in die Tasten greift, hat Mitte der Woche gefragt: „Kommt der Wechsel von Bush zu Obama zu spät?“ Schirrmachers Text hat neun Absätze – fünf davon stammen direkt aus der New York Times. 

Donnerstag, 27. November 2008

Happy Thanksgiving!

Mittwoch, 26. November 2008

Mumbai

Gerade versucht, einen Überblick über die Nachrichtenlage in Mumbai zu bekommen. Besser informiert als NYT etc. scheinen die Times of India zu sein Aber wer bietet die beste Zusammenfassung? Wikipedia.

Update, 27. November, 9.00 Uhr: Die Berichterstattung über die Anschläge von Mumbai wurde geprägt von Medien, die vor fünf Jahren noch kaum jemand kannte – wenn es sie damals überhaupt schon gegeben hat: Twitter, Blogs, Flickr, Youtube, Google Maps und Wikipedia.

Über diese Entwicklung berichten in lesenswerten Artikel Reuters, France 24, Age und Daily Telegraph. In deutschen Medien findet Google News erst vier Trefferchen zum Thema. Darunter die Frankfurter Rundschau, die sich herablässt, über die „Spielzeuge des Web 2.0“ zu berichten. Diese Attitüde hatten wir doch erst gestern. Print worst II.

Wie aber können konventionelle Medien sinnvoll mit der neuen Konkurrenz des Web 2.0 umgehen? Indem sie aus der Not eine Tugend machen – wie die New York Times mit ihrem Blog The Lede, in dem NYT-Journalisten die tausenden Informationsschnipsel zu einem Ganzen zusammenführen.

Print worst

Warum bloß, fragen die verzweifelten Zeitungsverleger, wandern die Leser unter 30 ins Internet ab? Vielleicht, weil ihnen ähnliches passiert wie mir heute: In der Frankfurter Rundschau eine Rezension der historisch-kritischen Ausgabe von Goethes Briefen gesehen. So weit der erfreuliche Teil. Ab jetzt quält sich der Artikel ziemlich gelangweilt dahin, um im letzten Absatz zu kulminieren:
Dieser stürmische Drang zur Selbstverbesserung unterscheidet Goethe himmelweit von heutigen jungen Menschen, allerdings auch von den meisten Menschen überhaupt. Seinem bunten Bildungsgang zu folgen, macht seine Briefe allein schon zu einzigartigen Zeugnissen der Menschheit, seine ausführlichen Gefühlserforschungen, die poetischen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Gedanken, die Verse und Werkschnipsel in den etwa 15.000 überlieferten Schreiben tun ein Übriges, die Steuermillionen der kommenden Jahrzehnte für nicht übel angelegt zu halten. Besser jedenfalls, als wieder mal Super-Computer zu erwerben, die nach eineinhalb Jahren total veraltet sind.
Zwei altväterliche Platitüden und dazwischen eine sanft im Wind flatternde Satzgirlande von 48 Wörtern (wenn ich mich nicht zwischendurch verzählt habe). So kann man Leser – und junge Leser erst recht – auch mit Gewalt ins Internet zwingen.

Barack Schäfer-Gümbel

Die Marburger SPD zeigt auf ihrer Homepage zumindest noch Humor:



Da werden doch direkt Erinnerungen wach an Hubertus Heils Versuch mit „Yes, we can“ (ab 0.30):


Dienstag, 25. November 2008

Zurück in den Südstaaten

Über die Thanksgiving-Woche zu Besuch bei Verwandten in Georgia. Am Sonntagabend Flug nach Atlanta. Aus der Dunkelheit taucht die Stadt als heller Fleck auf: dicht besiedelte Wohnviertel, Straßen im Schachbrettmuster. Ringsum ein vollkommen anderes Bild: bis zum Horizont Häuser in weitem Abstand, einsame Lichtpunkte im Dunkel, verbunden durch geschwungene Straßen. Wie Fangarme liegen die Vororte um den Kern von Atlanta. Nur rund 500.000 Menschen wohnen in der eigentlichen Stadt, aber mehr als 5 Millionen in der metropolitan area.

Wenige Stunden später für Bob Shillers Vorlesung eine Studie gelesen zur Frage: Warum wächst seit 1995 die Produktivität in den USA schneller als in Europa? Als wichtigen Grund nennt der Autor Robert Gordon die riesigen US-Einkaufsmeilen auf der grünen Wiese mit ihren ausufernden Parkplätzen, auf denen die Autos der Vorort-Bewohner stehen. Der amerikanische Städtebau ermögliche dem Handel die effizienten Riesenformate. Mit Blick auf den Verlust von Urbanität, die langen Wege und den hohen Benzinverbrauch merkt Gordon an, dass der amerikanische Städtebau vielleicht auch negative Nebenwirkungen habe. Vielleicht?

Am Montag zum Mittagessen in der Grundschule meines Patenkindes. Am Eingang muss man den Personalausweis zeigen, wird fotografiert und bekommt einen Besucherausweis. Beim Verlassen der Schule wird der Strichcode auf dem Besucherausweis gescant, ehe man wieder ins Freie kommt. 

Als ich im Frühjahr auf einer Pressekonferenz im Kernkraftwerk Neckarwestheim war, gab es laxere Sicherheitsvorschriften.

Montag, 24. November 2008

Selbstreferenzialität hoch vier

Ohne Worte: Fall eins und Fall zwei.