Freitag, 15. August 2008

Southern Belle

Rundgang durch Savannah. Ernüchternder Start: Der Hafen ist vollkommen entstellt. An der Historic Waterfront entlang ziehen sich nur noch Billigrestaurants und Souvenirläden. Doch nicht einmal 20 Meter hinter dem Hafen zeigt Savannah sein schönes Gesicht. Eine elegante Börse erinnert an den Baumwollhandel, der Savannah reich werden ließ – so reich, dass ein Geschäftsmann dem Rathaus eine goldene Kuppel spendieren konnte.

Savannah wurde 1733 als erste Stadt Georgias gegründet. Der englische General James Oglethorpe entwarf die Stadt auf dem Reißbrett; alle Straßen treffen im rechten Winkel aufeinander. Das klingt langweilig. Doch 21 kleine Parks, über die ganze Altstadt verstreut, reißen die eintönige Ordnung auf. Das Raster ist kein Korsett, sondern Grundlage für Kreativität – übrigens genau wie in der Typographie.

Durch ganz Savannah zieht sich ein konsequenter Gestaltungswille. Die Stadtpalais aus dem 18. und 19. Jahrhundert fügen sich zu einem Ganzen; kein Haus will den Nachbarn übertrumpfen. Savannah erfüllt als Stadt das Idealbild, das man früher im Süden von Frauen pflegte: schön, zurückhaltend, elegant. Eine southern belle. In Savannah passen sich selbst die Kirchen in die gleichmäßigen Dimensionen ein – mit Ausnahme der Cathedral of St. John the Baptist. Aber so viel Platz muss eine Kathedrale schon in Anspruch nehmen.

Ein Glanzpunkt am Südrand der Altstadt ist der Forsyth Park mit seinem viktorianischen Brunnen im Zentrum.



Neben dem Brunnen verkauft ein Schwarzer Herzen, die er aus Palmenblättern geflochten hat. Seit 15 Tagen ist er obdachlos. Und zornig. „Gott hasst dieses Land, er hasst uns alle“, sagt der Schwarze. „Schau dir nur Hurrikan Katrina an. Was bauen wir Amerikaner als erstes wieder auf? Das Casino. Wenn wir so weitermachen, kommt der nächse Hurrikan bestimmt.“

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