Mittwoch, 26. November 2008

Print worst

Warum bloß, fragen die verzweifelten Zeitungsverleger, wandern die Leser unter 30 ins Internet ab? Vielleicht, weil ihnen ähnliches passiert wie mir heute: In der Frankfurter Rundschau eine Rezension der historisch-kritischen Ausgabe von Goethes Briefen gesehen. So weit der erfreuliche Teil. Ab jetzt quält sich der Artikel ziemlich gelangweilt dahin, um im letzten Absatz zu kulminieren:
Dieser stürmische Drang zur Selbstverbesserung unterscheidet Goethe himmelweit von heutigen jungen Menschen, allerdings auch von den meisten Menschen überhaupt. Seinem bunten Bildungsgang zu folgen, macht seine Briefe allein schon zu einzigartigen Zeugnissen der Menschheit, seine ausführlichen Gefühlserforschungen, die poetischen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Gedanken, die Verse und Werkschnipsel in den etwa 15.000 überlieferten Schreiben tun ein Übriges, die Steuermillionen der kommenden Jahrzehnte für nicht übel angelegt zu halten. Besser jedenfalls, als wieder mal Super-Computer zu erwerben, die nach eineinhalb Jahren total veraltet sind.
Zwei altväterliche Platitüden und dazwischen eine sanft im Wind flatternde Satzgirlande von 48 Wörtern (wenn ich mich nicht zwischendurch verzählt habe). So kann man Leser – und junge Leser erst recht – auch mit Gewalt ins Internet zwingen.

2 Kommentare:

aho hat gesagt…

Und wo hast du den Artikel gelesen? Im Internet? ;-)

pfink hat gesagt…

Ja ;-)
Aber das macht die Sache ja eigentlich nur noch schlimmer - wenn das Internetangebot einer Zeitung eigentlich nur aus den Artikeln der Printausgabe besteht.