Montag, 3. November 2008

Lernen wie in Oxford

Auch nach mehr als zwei Monaten in Yale staunt man immer noch über die Kommilitonen. Zum Beispiel über eine Inderin, mit der ich mich vor der Zwischenklausur in Behavioral Economics zum Lernen getroffen habe. 

Auf der Literaturliste standen genau 25 Einträge mit Sternchen, also Bücher und Aufsätze, die man auf jeden Fall gelesen haben muss. „Komm, wir machen das immer abwechselnd“, schlug meine Kommilitonin vor. „Einer hat 2 Minuten Zeit, um das Paper zusammenzufassen, danach stellt der andere 3 Minuten lang böse Fragen zum Modell. So haben wir das in Oxford auch immer gemacht.“ 

Früher in Oxford. Das hört man öfter. Oder die Kommilitonen kommen aus Cambridge oder von der Ecole Normale Supérieure.

Tübingen olé!

Großartig auch ein schwarzer Kommilitone, der (wenn man ihn mal in der Kneipe trifft) jeden zweiten Satz mit fuck beendet. Muskelbepackt und mit tief ins Gesicht gezogener Mütze – ein rechtschaffener weißer Mittelstandsamerikaner wollte ihm im Dunkeln nicht auf der Straße begegnen. (Zu diesem Thema übrigens eine dringende Leseempfehlung.) 

Um Mitternacht trifft man den Kommilitonen aber meistens nicht in der Kneipe oder auf der Straße, sondern in der Bibliothek. Er arbeitet für das Seminar von Tony Blair, in dem er einen Platz ergattert hat. Dort sitzt die Elite der Elite: 25 Yalies, ausgewählt aus etlichen hundert Bewerbern.

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