- Busfahrt in die Hauptstadt. Das Ticket bestellt man im Internet, die Bestätigung erhält man als SMS auf das Handy gesendet. Beim Einsteigen steht der Busfahrer vor der Tür. Die Fahrgäste laufen an ihm vorbei und halten ihm, einer nach dem anderen, das Handy vor die Augen.
- Ein Zaun um das Kapitol, daran ein Schild mit der Erklärung: Es wird für die Amtseinführung von Obama am 20. Januar gebaut. Die Bühne ist schon fast fertig.
- Für den Kurs in Behavioral Economics einen Text über die wirtschaftlichen Probleme der Schwarzen gelesen. Das Kapitel beginnt mit einem Zitat von Martin Luther King: „Wenn wir die Friedensglocken klingen lassen in jedem Dorf und in jedem Weiler, in jedem Staat und jeder Stadt, dann eilen wir dem Tag entgegen, an dem Schwarze und Weiße sich die Hände reichen und mit den Worten eines alten Gospels singen: Endlich frei!“ Am nächsten Tag in einer shopping mall. Glockengeläut. Vor dem Eingang zum Konsumtempel sitzt ein Schwarzer im Rollstuhl und versucht, Süßigkeiten aus schmutzigen Körben zu verkaufen. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, läutet er eine Glocke.
- In der U-Bahn kommen deutsche Au-pair-Mädchen in den Waggon. Man hört Fetzen der Unterhaltung: „Scheiße ... warum muss ich ... jedes Mal ... immer der gleiche Mist.“
- Busfahrt nach New York. Mein Nachbar schiebt eine DVD in seinen Laptop. Schwenk über die Skyline von Manhattan. Ich schaue aus dem Fenster, drehe den Kopf zur Seite: Schwenk über die Skyline von Manhattan.
- Der Freudenschrei einer Freundin aus dem Schwarzwald, zum Praktikum in Washington. Ihr Heimatverein hat das Fußballspiel gegen den SV Musbach mit 2:1 gewonnen. Das Internet reißt jede Distanz ein. Man kann in den USA studieren und arbeiten, ohne zu Hause den Anschluss zu verpassen. Zwei Leben parallel. In den Nachrichten interessieren mich an erster Stelle Barack Obama und das Schicksal der USA, an zweiter Stelle Thorsten Schäfer-Gümbel und der Flughafen Kassel-Calden.
Machen wir langsam wieder unseren Job…
vor 9 Jahren
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