Freitag, 26. Dezember 2008

Museumstour durch New York

Reizüberflutung und Bildungsüberforderung – das Metropolitan Museum of Art in New York ist der amerikanische Louvre. Eine riesige Sammlung fantastischer Kunst, aber leider unübersehbar, von chinesischen Vasen über einen ägyptischen Tempel und deutsche Gemälde des Mittelalters bis zu Werken Andy Warhols. Wer soll das alles einordnen können? Wahrscheinlich kann es niemand, aber das ist auch nicht nötig. Es genügt schon, vor Pieter Brueghels Ernte-Bild oder Arnold Böcklins „Toteninsel“ im Original zu sehen und einfach nur zu staunen.

Dem Met gegenüber steht an der Fifth Avenue die Neue Galerie, eine Sammlung deutscher und österreichischer Kunst aus der Zeit um 1900. So nah sich die Museen geographisch sind, so stark unterscheiden sie sich inhaltlich. Das Met wirkt riesig und überladen, bei der kleinen Neuen Galerie scheint alles aus einem Guss zu sein. Das Gebäude, die Möbel, das Grafikdesign – alles passt perfekt zusammen. Im Moment kommt noch eine düstere, aber faszinierende Sonderausstellung über Alfred Kubin hinzu.

Das Museum of Modern Art gilt offensichtlich als touristisches Muss in New York. Durch die fünf Stockwerke drängen sich jedenfalls riesige Menschenmassen – im schlimmsten Fall kaugummiblasenerzeugend, einhändig videofilmend und handykamerknipsend. Vielleicht sollten sich die Kunstwerke an Bertolt Brecht halten, das Museum auflösen und neue Besucher wählen. Bis dahin muss man eben den Standplatz gegen die strömenden Massen verteidigen – etwa vor Matisses „Tanz“ und den „Campbell’s Soup Cans“ von Andy Warhol. Großartig auch Vincent van Goghs „Nachtcafé“, dem ich hinterher reisen musste – als Leihgabe der Yale University Art Gallery hängt das Gemäde derzeit im Moma.

Letzte Station: das Guggenheim Museum. Ein wunderschöner weißer Bau an der Fifth Avenue, der sich reichstagskuppelmäßig in Spiralen nach oben windet. Aber leider auch ein Gebäude, das sich selbst zu wichtig nimmt und an jeder Stelle ruft: Bewundere mich! Die eigentliche Ausstellung droht dabei unterzugehen. Schade, sind doch gerade die genuin amerikanischen Fotografien von Catherine Opie sehenswert.

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