Samstag, 6. Dezember 2008

Geschlossene Gesellschaft

Das Mory’s war mir schon immer irgendwie unsympathisch. Ein Restaurant nur für Yalies – das ist dann doch ziemliches Elitengehabe. Aber einmal von innen ansehen wollte ich mir den Laden schon. Was gar nicht einfach ist. Über der Tür hängt nämlich ein Schild: Members only. Ohne für eine Mitgliedschaft zu bezahlen, kommt man auch als Yale-Student nicht in den Club.


Bild: Mory’s-Homepage

Es sei denn, man geht zum Brunch für graduate students, so wie heute Mittag. Der erste Eindruck: ein adrettes Haus am Rand des Campus, innen dunkle Holzvertäfelung. Die Wände voller vergilbter Fotos von Yale-Sportmannschaften. Auf den Tischplatten haben Generationen von Yalies ihre Initialen eingeritzt. Das Mory’s ist ein Relikt der alten Zeit, als die amerikanische Geld- und Machtelite ihren Nachwuchs noch Generation um Generation nach Yale schickte.

Die Kellner im Mory’s tragen weißes Hemd mit schwarzem Schlips, brauchen aber zwanzig Minuten, um einen Kaffee an den Tisch zu bringen. Das Essen ist gut, aber keine Sensation. Seit Monaten halten sich Gerüchte, das Restaurant stehe kurz vor der Insolvenz. Für das Yale von heute, das Yale von Internationalität und Leistungsethos, wäre die Mory’s-Schließung kein Verlust – weder kulinarisch noch kulturell.

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